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Es ist der 22. April 2016, ein Sonntag. Frankfurt am Main, Therapie- und Wohlfühlzentrum „Berger200“. Meine Fotografien, die ich während meiner sechsmonatigen Rucksacktour durch acht Länder Südostasiens aufgenommen habe, hängen an den Wänden, gerahmt hinter Acrylglas. Jeweils darunter, auf Blättern aus weißem Karton, stehen bordeauxrot übertitelte Beschreibungen der abgebildeten Reisemomente. Aber auch: Abrisse meiner inneren Reise, in deren Verlauf ich zuvor, ohne Plan B, meinen Job als Analyst einer Unternehmensberatung für Banken aufgegeben hatte, weil er für mich einfach nicht mehr zu ertragen gewesen und sinnlos geworden war. Worte darüber, wie es sich angefühlt hatte, Sicherheiten loszulassen: Nicht nur einen gut bezahlten, unbefristeten Job, sondern auch die damit verbundenen Perspektiven sowie mein festverankertes Selbstbild des rationalen, stets planvoll handelnden „Kopfmenschen“. Stattdessen: Die Leere anzunehmen, nicht zu wissen, was kommen würde. Aber darauf zu vertrauen, dass das schon irgendwie gut sein würde.

Heute ist die Ausstellungseröffnung, rund dreißig Menschen sind gekommen. Sie betrachten die Fotografien und lesen die zugehörigen Texte, und indem sie das tun, lasse ich sie tief, sehr tief in mein Inneres blicken. Etwa zur Hälfte sind es Freunde und Bekannte, aber auch Fremde, welche über Plakate und Flyer hergefunden haben, die ich im Viertel verteilt habe. Ich freue mich über diesen für mich großen Tag, die Geschichte meiner Reise und des verbundenen biographischen Umbruchs mit einem größeren Kreis von Personen zu teilen. Aber: Nie zuvor habe ich mich mir unbekannten Menschen in vergleichbarer Weise geöffnet, mich so verletzlich gemacht. Dort stehen sie, mit mir im selben Raum, Männer und Frauen, jung und alt, die ich nicht kenne, und alle lesen sie in meiner Seele.

Von Christof Jauernig, Frankfurt (Main) - 15.10.2018
 

"Nie zuvor habe ich mich mir unbekannten Menschen in vergleichbarer Weise geöffnet, mich so verletzlich gemacht. Dort stehen sie, mit mir im selben Raum, Männer und Frauen, jung und alt, die ich nicht kenne, und alle lesen sie in meiner Seele."

Dann beginnt das Eröffnungsprogramm, und jetzt stelle ich mich vor sie hin, im verdunkelten Raum, projiziere meine Fotografien auf eine Leinwand hinter mir und lese die Texte, die auch an den Wänden hängen, laut vor. Spreche davon, wie es sich anfühlte, als mit dem innerlichen Loslassen meines Analystenjobs auch das so vertraute permanent drehende Gedankenkarussell langsamer geworden war. Erzähle, wie mir mein irgendwie weiter und freier gewordener Blick die mich umgebende Natur plötzlich so viel schöner, lebendiger hatte erscheinen lassen. Und wie ich mich später entschlossen hatte, loszugehen, um diese neu entdeckte Schönheit zum ersten Mal richtig zu sehen, zu erleben, zu würdigen:

Nach Südostasien, wo ich wusste, dass sie dort ganz außerordentlich war. Wie ich dann meine Reise begonnen hatte, ich, der ehemalige Analyst, der jetzt losging, um die Welt mit dem Herzen zu sehen, und sie mich immer wieder berührte, verzauberte, in den vielen Wochen meiner Reise. Wie ich mich berühren und verzaubern ließ. Wie die Schönheit, die mir überall begegnete so tief ging, dass es manchmal fast weh tat.

Und alles das sage ich als MANN.

Was eine der größten meiner Überwindungen ist: Als Angehöriger desjenigen Geschlechtes, für das das Sprechen über eigene Gefühlswelten irgendwie immer noch verpönt ist, in dieser Weise und vor mir teils fremden Menschen mein Innerstes nach außen zu kehren. Darüber zu sprechen, von Schönheit angerührt zu sein. Sätze zu sagen wie: „Freude. Über so Vieles. Den Roller abstellen am Straßenrand, den Motor abstellen, absteigen, ein Foto machen von dem Haus auf Stelzen. Wegen dem roten Herz unter dem schiefen Fenster.“ Oder: „Im Wasser des kleinen Sees im chinesischen Garten spiegelt sich eine ganze Welt, und darin sehen die goldenen Herbstblätter aus wie gefallene Sterne.“

In der Coachingsitzung wurde mir bewusst, dass ich davon ausging, dass man mich generell nicht wahrnahm. Woher die Überzeugung, unsichtbar zu sein, stamme, fragte mich mein Coach. Wie aus der Pistole geschossen antwortete ich: aus meiner Schulzeit! Aha, sagte sie, und wie lange ist die nun her? Selbst damals war das schon mehr als ein Jahrzehnt...

" 'Im Wasser des kleinen Sees im chinesischen Garten spiegelt sich eine ganze Welt, und darin sehen die goldenen Herbstblätter aus wie gefallene Sterne...'

Und alles das sage ich
als MANN."

Zeit für Emozipation!
Ein Plädoyer für die ganzheitliche Auffindung und Befreiung

eingeschlossener männlicher Gefühle

Haus auf Stelzen mit Herz (am Thakhek Loop, südliches Laos) - Alle Fotografien: C. Jauernig

Was ist das eigentlich? Diese Gewohnheit, dieses ungeschriebene Gesetz?

Denen zufolge Männer Emotionen aller Art, vor allem aber diejenigen, die mit Sensibilität, mit innerem Ergriffensein, mit Staunen vor dem Schönen und Zauberhaften in dieser Welt zu tun haben, mindestens in der Öffentlichkeit, oft aber auch in privaten Rahmen, besser für sich behalten? Oder sie sich gar nicht erst eingestehen wollen, ansehen wollen, sie von vorn herein verdrängen. Denen zufolge miteinander gestaunt werden darf, wenn das neueste iPhone mit Face-ID-TrueDepth-Kamera daherkommt („Geil!!“) – nicht aber über die herzerwärmende, pure Schönheit eines tropischen Sonnenaufgangs. Denen zufolge Tränen fließen dürfen, wenn die Lieblings-Fußballmannschaft ab- oder aufsteigt – aber eher nicht vor Rührung über das Video, in dem ein zwölfjähriges Mädchen die Delegierten einer UN-Konferenz auffordert, ihrer Generation den Planeten zu erhalten.

Stattdessen sind wir so oft lieber pragmatisch und hart. Männer halt. Bei denen „alles klar“ zu sein hat, alles ok. Viele von uns sind eben Krieger geworden, die sich nicht hinters Visier schauen lassen dürfen. Lauter Siegfrieds mit stahlharter Haut. Aber einer Angst davor, dass andere diese geheime Stelle an unserem Schulterblatt entdecken könnten, die ein Eichenblatt beim Bad im Drachenblut verletzlich gelassen hat. Und uns eines Tages, hinterrücks, den Speer in unser offenes Seelenfenster stoßen. Emotionale Offenheit ist Schwäche – haben wir gelernt.

Und so halten wir uns lieber bedeckt. Machen „die Dinge“ in uns mit uns selber aus. Oder schauen, was noch einfacher ist, von vornherein an ihnen vorbei. Sprechen nicht darüber, wenn uns etwas anrührt, ergreift, verzückt – oder schmerzt, traurig macht, verängstigt.

Natürlich! Wir leben alle miteinander, Männer und Frauen, in einer überintellektualisierten, hochtourigen, technisierten Welt, in der  wir in Gesamtheit abgespaltener von unseren Gefühlen und unserer Intuition sind, als das in früheren Zeiten der Fall war. Als wir noch geerdeter, körperlicher, mehr im Einklang mit der Natur und uns selber lebten und arbeiteten, als das heute oft der Fall ist. Dennoch glaube ich, ist eines der Hauptprobleme dieser Welt das folgende:

"Viele von uns sind eben Krieger geworden, die sich nicht hinters Visier schauen lassen dürfen. Lauter Siegfrieds mit stahlharter Haut. Aber einer Angst davor, dass andere diese geheime Stelle an unserem Schulterblatt entdecken könnten, die ein Eichenblatt beim Bad im Drachenblut verletztlich gelassen hat."

Übersäht zu sein von vor allem männlichen Seelenwüsten, in denen nichts blühen darf oder kann. Und von männlichen Seelenstauseen, in denen die verdrängten Emotionen bis zur Oberkannte der Unterlippe angeschwollen sind, aber um Himmels Willen nicht überfließen dürfen. Und anstatt die Stauseen endlich abfließen zu lassen und die Wüsten zu bewässern, bleiben wir lieber die rational-analytisch-strategisch-kühlen Macher. Kompensieren über Wachstum, leben über unser aller Verhältnisse, gehen weiter Büffel jagen, um sie unseren Frauen vor die Füße zu legen, suchen unsere Erfüllung irgendwo da draußen. Wut und Kampfkraft sind deswegen akzeptiert. Aber für Sentimentalitäten ist kein Platz. Zur Not ertränken wir sie in Alkohol. Undurchschaubarkeit ist unsere Haut aus Drachenblut.

Garten des Himmlischen Friedens, Frankfurt (Main)

Doch was anderes ist der besorgniserregende Zustand unserer äußeren Welt, deren Schicksal in vielen Bereichen immer noch zu weit überwiegendem Anteil von Männern bestimmt wird, als eine Reflektion krankender innerer Welten? Und so sind viele herzlose politische Entscheidungen, abgeholzte Tropenwälder und sinnlos-mörderische Kriegsschauplätze zu einem gewissen Grad wahrscheinlich auch ein Spiegel solcher innerer Gefühlswüsten von Männern in Machtpositionen. Männern, in denen eine gesunde Verbindung zu den eigenen Emotionen, Empathie für Andere oder eine Wertschätzung der wundervollen Natur, die uns umgibt, verloren gegangen zu sein scheint oder nie hat wachsen dürfen. „Wir gegen die“: Das Bauen von Mauern, das Attackieren „fremder“ Menschen, das Zerstören der Natur und damit unserer eigenen Lebensgrundlage als Ausdruck eines Abgespalten Seins von sich selbst und seiner Umwelt. Wenn ich in Fernsehbildern in die Augen von Männern wie Donald Trump, Wladimir Putin oder Viktor Orban blicke, ist mir, als sähe ich darinnen die Sanddünen ihrer inneren Leere. Toxische Männlichkeit, die unsere Welt vergiftet.

Die Weißen Sanddünen, bei Mui Ne, südliches Vietnam

"Eines der Hauptprobleme dieser Welt: übersäht zu sein von vor allem männlichen Seelenwüsten, in denen nichts blühen darf. (...)

Wenn ich in Fernsehbildern in die Augen von Männern wie Donald Trump, Wladimir Putin oder Viktor Orban blicke, ist mir, als sähe ich darinnen die Sanddünen ihrer inneren Leere."

Fast-forward: Seit meiner Vernissage in Frankfurt, der damals ersten Aufführung meiner Wort-Bild-Klang-Collage „Vom Analyst, der ging, um die Welt mit dem Herzen zu sehen“, sind zweieinhalb Jahre vergangen. Es war ein schöner Abend geworden damals. Nicht wenige im Publikum zeigten sich berührt. Hier und da sah ich eine Träne blitzen und ich glaube, manche erkannten sich wieder in den Gefühlen, die ich teilte. Und siehe an: Keiner der anwesenden Männer stand währenddessen auf und ging. Keiner verdrehte die Augen, zumindest konnte ich das nicht sehen. Am Ende klatschten alle. Auch die Männer. Keiner lachte mich aus. Keiner stieß mir seinen Speer in den Rücken.

Und auch deshalb habe ich weiter gemacht damit. Aus der bebilderten Aufbruchsgeschichte, die ich eigentlich nur dieses eine Mal erzählen wollte, wurde eine ungeplante Lesereise, die mich mittlerweile seit über zwei Jahren kreuz und quer durch Deutschland führt. Und aus meinem Impuls, das Ermutigende, was mir aus dem Loslassen einer ungesunden Lebenssituation erwachsen war, mit Freunden und Nachbarn zu teilen, ist still und leise ein „Beruf“ geworden. Besser: eine Berufung. Die große Freude, die mir das bereitet, ist ungebrochen. Die Veranstaltungsorte dafür waren anfangs Cafés, irgendwann die erste Kleinkunstbühne, dann Banken, Kirchengemeinden, eine Gewerkschaft, ein Gesundheitsverband, Erwachsenenbildungszentren. Und eine Menge psychosomatischer Fachkliniken. Und vor allem hier begegnen mir, neben der stets deutlich größeren Anzahl an Frauen, auch die überlasteten, ausgelaugten Männer mit den randvollen Seelenseen. Männer, von denen, so glaube ich, viele einfach keinen Willen und keine Kraft mehr dafür haben, weiter in oft verhassten Gefilden Jagen zu gehen. Männer, die, genauso wie die Frauen, meine Hochachtung haben dafür, dass sie die Waffen gestreckt haben, um im geschützten Rahmen einer Klinik in Klausur mit sich zu gehen und sich endlich in Ruhe ihren inneren Wunden zuzuwenden – und zu sich zu finden. Die, indem sie das tun, wahrhaft Verantwortung übernehmen für sich – und damit auch für die Menschen, mit denen sie verbunden sind.

Und wenn ich dann vor ihnen stehe, und zum Beispiel davon erzähle, wie verbunden ich mich damals mit dem großen orangenen Schmetterling gefühlt habe, der eines Nachmittags in Laos einfach so auf meinem Handrücken gelandet war und mich partout nicht mehr verlassen wollte, dann möchte ich damit auch dieses: Ihnen vermitteln, dass es in Ordnung ist, sensibel und verletzlich zu sein. Das Schöne zu würdigen. Zu staunen. Und darüber zu sprechen. Das Innerste zu zeigen in allen seinen schillernden Farben. Ich möchte sie ermutigen, ihre Seelenfenster zu öffnen, um das Licht hinein zu lassen – und hinaus.

Emozipation, wie ich sie mir wünsche, würde nicht Verweichlichung bedeuten, sondern ein Wiederentdecken und Integrieren von und Sich-Verbinden mit allen verfügbaren inneren Kraftquellen. Sie würde innere und damit in der Folge auch äußere Kämpfe befrieden und uns Männern dabei helfen, mit unserer Welt im Einklang anstatt im Zwist zu sein. Sie würde sie damit sehr wahrscheinlich zu einer friedlicheren und gesünderen machen.

"Emozipierte Männer wären sanfte Krieger.
Hart und zart zugleich."

Zuerst erschienen in: Verlorene Gedanken, Nr. 5/2018

Schmetterling auf der Hand, bei Vang Vieng, Laos

Ich glaube, dass die Zeit reif ist für eine Auffindung und für eine Befreiung, eine Emanzipation, männlicher Emotionen.

Es ist Zeit für eine große Emozipation!

Einen Wandel, in dessen Verlauf insbesondere mehr Männer dahin finden, in sich stärker Gefühle wahrzunehmen, anzuschauen, wertzuschätzen und vor allem ohne Scheu auszudrücken. Darunter vor allem solche Gefühle, die mit Sensibilität, Innerlichkeit, Herzenswärme und einer Empfänglichkeit für die Wunder der Welt in Verbindung stehen. Damit meine ich keine Weinerlichkeit oder gefühlsduselige Weltfremdheit. Sondern pure, einem weiten Männerherzen und aus einer gesunden, geerdeten, gegenwärtigen Innerlichkeit entspringende, vielschichtige Emotionen. Von denen ich glaube, dass sie weitaus segensreicher für die Welt sind als die eindimensionale Kampfesbereitschaft und der abgenutzte Performance-Tschakka-Rausch, über den sich Männer und Männlichkeit viel zu häufig noch auszudrücken und zu definieren versuchen.

Was es hierfür braucht? Vor allem ein Hinterfragen und Aufweichen von gesellschaftlichen Normen und einseitigen Rollenbildern in der Erziehung – kein „ein Junge weint doch nicht!“ mehr. Auch so etwas wie das Infragestellen des weit verbreiteten blauen bzw. rosafarbenen Kinder-Uniformierungszwangs könnte in diesem Zusammenhang hilfreich sein. Für die von uns, die schon erwachsen sind: Eine wahrhaftige Selbstfindung auf individuellen männlichen Ebenen! Ein Wiederentdecken von und Friedenschließen mit unseren Emotionen und unserer Sensibilität. Ein Annehmen und Integrieren der gesamten Palette und Reichhaltigkeit unserer Empfindungen, der rauen und der sanften. Ein ehrliches In-Verbindung-Gelangen, In-Beziehung-Gehen mit uns selber, und damit mit unserem wahren, schillernden, wundervollen Selbst, jenseits vom gesellschaftlich und selbst aufgeklebten Geschlechter-Label. Kurz: Ein Kultivieren und Bewässern wild-schöner männlicher Seelengärten, in denen es in allen Farben blühen und sprießen darf.

Die Pfade, die dort hinführen können, sind vielfältig: Sich einer Männergruppe anzuschließen (oder vielleicht eine zu gründen?), mit einem Therapeuten zu arbeiten (ja, auch wir Männer  dürfen das!), Achtsamkeitsmeditation zu erlernen, ein Vipassana-Schweigemeditations-Retreat zu besuchen oder mit sich alleine auf Wanderurlaub zu fahren sind nur einige Beispiele für Portale, mit den eigenen Emotionen, sich selber und seinem wahren Inneren in einen besseren Kontakt zu gelangen.

"Ein Kultivieren und Bewässern wild-schöner männlicher Seelengärten, in denen es in allen Farben blühen und sprießen darf."

Seerosen vor den Weißen Sanddünen von Mui Ne, südl. Vietnam

Wessen bedarf es noch? Vielfältiger Formen von Erlaubnissen: Das Zugestehen eines wahrhaftigen, ehrlichen, ungefilterten und ganzheitlichen Umgangs mit den eigenen Emotionen des einzelnen Mannes sich selbst gegenüber – und sich selbst zu erlauben, diese fließen zu lassen und ohne Scheu auszudrücken. Mindestens genauso wichtig: Ein solches Zugestehen im gemeinschaftlichen männlichen Umgang miteinander. Die selbstverständliche Zulässigkeit wirklich tiefgehender Männergespräche, in denen Verletzlichkeit weder lächerlich gemacht noch ausgenutzt wird. Und ein Zugestehen einer solchen männlichen Emozipation auch von weiblicher Seite her: Partnerinnen, die die offeneren Herzen ihrer Männer lieben und aushalten können, ohne sie als Schwäche fehl zu deuten. Männer, die nicht fürchten müssen, verlassen zu werden, wenn sie nicht mehr nur „stark“ oder verschlossen sind, sondern sich in ihrer ganzen Authentizität zeigen. Wenn sie das "Du sprichst nie über Deine Gefühle!" ernst nehmen und plötzlich sprechen.

Emozipierte Männer wären sanfte Krieger. Hart und zart zugleich. Die ihr inneres Kind wiedergefunden hätten und es umsorgten. Die in Verbindung wären mit ihrer inneren Schönheit und derjenigen der Welt, die sie umgibt. Die die Welt deswegen nicht mehr als Feind auffassten. Die dennoch kämpfen könnten, wenn sie müssten. Die das dann aber jeweils eher aus Liebe für etwas wahrhaftig Wertvolles, Erhaltenswertes täten – anstatt um zu zerstören oder andere zu besiegen.

 

Vielleicht entstünden dann auf einmal auch Gesellschafts- und Wirtschaftsmodelle, in denen nicht mehr nur Wachstum, Leistung und Konkurrenzkampf dominieren. Sondern Empathie, Solidarität, Gleichberechtigung, Lebensqualität, Fantasie und Respekt vor der Schöpfung im Mittelpunkt stünden.

Vielleicht verstünden dann mehr Erwachsene von alleine, wie wichtig es ist, unsere Welt zu erhalten. Ohne, dass Kinder es ihnen erklären müssten.

Wie schön das wäre!

Christof Jauernig war als Betriebswirt Zeit seines Berufslebens im Bankenbereich tätig, bis ihn eine tiefe persönliche Krise dazu veranlasste, seinen gut dotierten Job als Analyst in einer Unternehmensberatung Ende 2014 an den Nagel zu hängen. Ohne Plan für danach brach er anschließend auf eine sechsmonatige Rucksackreise durch Südostasien auf. Seit seiner Rückkehr erzählt er die Geschichte seines Aus- und Aufbruchs bundesweit im Rahmen seiner atmosphärischen Wort-Bild-Klang-Collage "Gedanken verloren | Unthinking: Vom Analyst, der ging, um die Welt mit dem Herzen zu sehen", wobei er seine Erzählung mit Reisefotografien und eigenen Piano-Improvisationen verbindet.